Welt

Eine Strategie weit entfernt von Unschuld

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu sprach von einer „historischen Chance“, die sich durch die Zusammenarbeit mit US-Präsident Donald Trump ergebe. Doch was genau meint er damit? Welche Strategie verfolgen Israel und die USA gemeinsam, und wie viel ist darüber tatsächlich bekannt?

Netanjahu äußerte sich anlässlich des Besuchs von US-Außenminister Marco Rubio in Israel und betonte, dass die Beziehungen zur Trump-Regierung besser seien als zu jeder vorherigen US-Administration. „Dies ist eine Situation, in der sich Israel seit seiner Gründung noch nie befunden hat. Eine solche Gelegenheit, eine solche Partnerschaft hat es noch nie gegeben. Sie bietet das Potenzial, Bedrohungen zu beseitigen und Chancen zu schaffen, die wir uns bislang kaum vorstellen konnten.“

Welche Strategie steckt dahinter?

Netanjahu sprach von einer „gemeinsamen Strategie“, die Israel und die USA entwickelt hätten – doch welche Ziele verfolgt diese wirklich? Sind die politischen Parteien und die Öffentlichkeit in Israel sowie die Völker des Nahen Ostens über die Details informiert?

Besonders brisant sind Netanjahus Aussagen zur Lage im Gazastreifen. Er erklärte, dass Trump bereits zuvor mit ihm über „seine Ideen“ zu Gaza gesprochen habe. Gemeinsam, so Netanjahu, würden sie entscheiden, „wann und wie die Tore der Hölle geöffnet werden sollten“.

Die Formulierung erinnert an eine Drohung, die Trump selbst vor einiger Zeit geäußert hatte: „Ich werde ihn in eine Hölle verwandeln.“ Diese Rhetorik deutet auf eine mögliche Eskalation hin, deren Ausmaß und Konsequenzen noch unklar sind.

Waffenstillstand und Geiselverhandlungen – Wer trifft die Entscheidungen?

Vergangene Woche äußerte sich Trump zum Waffenstillstand und zur Freilassung von Geiseln. Er argumentierte, dass der Waffenstillstand aufgekündigt werden solle, falls nicht alle Geiseln freikämen – ließ die endgültige Entscheidung jedoch bei Israel.

„Ich habe zu Bibi gesagt: Mach, was du willst. Aber er wird sich mit mir abstimmen, was der nächste Schritt ist. Die Entscheidung liegt letztendlich bei Israel.“

Diese Aussage unterstreicht die enge Abstimmung zwischen Washington und Tel Aviv, stellt aber zugleich die Frage nach der Eigenständigkeit israelischer Entscheidungen im militärischen Konflikt.

Gaza – Umsiedlung oder Wiederaufbau?

Ein weiterer Punkt der US-israelischen Strategie scheint der Umgang mit der palästinensischen Bevölkerung im Gazastreifen zu sein. Trump hat sich dafür ausgesprochen, Menschen aus Gaza in Nachbarländer wie Ägypten und den Libanon umzusiedeln – ein Vorschlag, der international auf Kritik stößt.

Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi widersprach dem jedoch entschieden. Er erklärte, dass Ägypten einen umfassenden Plan zum Wiederaufbau des Gazastreifens verfolge, ohne die Vertreibung der dort lebenden Palästinenserinnen und Palästinenser zuzulassen. Sisi bekräftigte zudem seine Unterstützung für eine Zwei-Staaten-Lösung als Basis für einen dauerhaften Frieden in der Region.

Eine Strategie voller Unklarheiten

Netanjahus Worte lassen tief blicken, doch viele Fragen bleiben offen. Welche Pläne verfolgen Israel und die USA tatsächlich? Wie stark ist die Rolle Washingtons in den strategischen Überlegungen Israels? Und welche Folgen könnte die „historische Chance“ haben, von der Netanjahu spricht?

Während sich die politischen Entscheidungsträger hinter verschlossenen Türen beraten, bleibt für die Menschen in der Region vieles ungewiss. Klar ist jedoch, dass jede weitere Eskalation den Frieden im Nahen Osten noch weiter in die Ferne rücken lässt.

von Fred Coldson

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"